Skeptival 2026

10. und 11. Oktober | Berlin

Programm

11:00 Uhr

Einlass / Anmeldung

12:00 Uhr

Begrüßung

12:15 Uhr

Keynote

Florian Aigner: Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr

Ist das Rot, das ich sehe, dasselbe Rot, das du siehst? Warum fühlt sich im Sommer eine Metallplatte viel heißer an als eine Holzplatte – auch wenn beide dieselbe Temperatur haben? Warum nehmen Fledermäuse Töne wahr, wo für uns alles still ist?

Eine verblüffende Entdeckungsreise durch die Physik der Sinneseindrücke geht der Frage nach: Wie hängt die Welt in unserem Kopf mit der Welt da draußen zusammen? Und was davon ist nun eigentlich die „wirkliche Wirklichkeit„?

Was wir wahrnehmen, ist nicht nur eine Konsequenz der äußeren Welt da draußen, sondern genauso sehr auch eine Konsequenz unserer Gewohnheiten, Konventionen, Kulturen.

Speaker Bio

12:45 Uhr

Block 1: Mechanismen

Daniel Huthmacher: Mechanismen in High Control Groups

Speaker Bio

Christian Milerski: Die Generation Z ist nicht faul – wir haben Arbeit kaputt gemacht

Die Generation Z sei anspruchsvoll. Unmotiviert. Zu empfindlich. Nicht belastbar. Und arbeiten wollen sie am besten auch nicht mehr.
Solche Aussagen sind schnell gemacht und erstaunlich selten hinterfragt.
Christian Milerski nimmt sich in seinem Vortrag eines der beliebtesten Feindbilder der aktuellen Arbeitswelt vor: die angeblich faule Generation Z. Statt die junge Generation für veränderte Ansprüche an Arbeit und Führung verantwortlich zu machen, dreht er die Perspektive um.
Was, wenn junge Menschen nicht weniger leisten wollen, sondern weniger bereit sind, schlechte Führung einfach hinzunehmen? Was, wenn Unternehmen jahrelang Motivation durch Kontrolle, Wertschätzung durch Benefits und Führung durch Hierarchie ersetzt haben? Und was, wenn der viel beklagte Fachkräftemangel teilweise auch ein hausgemachtes Problem ist?
Der Vortrag hinterfragt populäre Behauptungen über Leistung, Motivation und Generationen und stellt eine unbequeme These in den Raum:
Vielleicht ist nicht die Generation Z das Problem. Vielleicht ist sie nur die erste Generation, die besonders laut zeigt, was an unserer Arbeitswelt schon lange nicht mehr funktioniert.

Speaker Bio

Mandy Paterowicz: Schwurbel in der Jugendhilfe

Kinder- und Jugendhilfe soll Unterstützung bei familiären Problemen bieten und Schutz vor Gewalt und Vernachlässigung. Doch was, wenn die weltanschauliche Vielfalt ins Schwurbeln kippt? Wo ist die Grenze erreicht, in dem davon selbst eine Gefährdung ausgeht?
Dabei gibt es eine überraschende Bandbreite von esoterischen und verschwörungsgläubigen Ansichten unter den Fachkräften. Angefangen von regelmäßigem Reiki in Einrichtungen, über christlich-fundamentalistische Wohngruppen hin zu Fachkräften, die das Jugendamt als „Kinderklaubehörde“ ansehen. Was unglaublich klingt, kann im Einzelfall reale Folgen haben. Kinder und Jugendliche suchen nach Orientierung und Vorbildern und treffen dann auf erwachsene Bezugspersonen, die ihnen ein esoterisches Weltbild bieten.
Der Vortrag wirft ein Schlaglicht auf diese bisher wenig beachtete Gefahr für die Kinder und Jugendlichen durch verschwörungsgläubige Mitarbeitende und die potenziellen Folgen dieser Gefährdung.

Speaker Bio

14:15 Uhr

Pause

14:45 Uhr

Block 2: Verschwörungserzählungen

Karin Gawora: Pharmaindustrie und Arzneimittelbehörden: Verschwörungstheorien und berechtigte Kritik

Warnungen vor angeblich gefährlichen Impfstoffen, Medikamenten oder medizinischen Behandlungen finden sich zahlreich, sie werden im Internet und der Laienpresse verbreitet. Entsprechende Bücher schaffen es bisweilen in die Bestsellerlisten. Manche Behauptungen sind scheinbar rational begründet, oft mit Bezugnahme auf tatsächlich existierende Studien, Datensammlungen oder Dokumente, wobei diese vom Autor missverstanden oder in einen falschen Kontext gestellt werden.

Speaker Bio

Nora Pösl: Ariosophie – Antisemitismus – Konspiritualität

In Zeiten eines weltweit erstarkenden Autoritarismus gewinnt die Verflechtung von Esoterik, sogenannten alternativen Heilmethoden und rechten Verschwörungsideologien eine neue politische Brisanz. Wenn ein impfskeptischer US-Gesundheitsminister wie Robert F. Kennedy Jr. den Zugang zu Impfstoffen einschränkt oder die AfD mit dem Versprechen zur „Aufarbeitung der Coronapolitik“ Wahlerfolge erzielt, zeigt sich, dass diese Diskurse längst nicht mehr nur marginale Gegenöffentlichkeiten strukturieren, sondern in den politischen Mainstream diffundieren.

Auf Basis einer Mixed-Methods-Studie, die Netzwerkanalysen auf Twitter und Telegram mit qualitativer Diskursanalyse verbindet, rekonstruiert der Vortrag, wie sich ein konspirituell-alternativmedizinischer Diskursraum konstituiert und wie Plattformlogiken wie die Forwarding-Funktion auf Telegram verschwörungsideologische Inhalte verstärken. Ein zentrales Ergebnis: Diese Verflechtungen sind kein neues Phänomen, sondern haben ideologische Wurzeln, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, etwa zu den rassistischen und eugenischen Konstrukten der Ariosophie. Die Corona-Pandemie wirkte als Katalysator, der historisch langlebige Diskursstränge digital reaktiviert und verdichtet hat.

Speaker Bio

Adam Nawrot: Imperium Groß Gut

Warum denkt Elon Musk so viel an Rom? Warum verknüpft das Bildungsbürgertum immer noch das römische Kaiserreich mit dem Höhepunkt historischer Zivilisation? Wo kommt die Geringachtung des Mittelalters eigentlich her? Der Vortrag soll anregen, darüber nachzudenken wie viel vom eigenen Geschichtsbild aus Wertungen besteht, die einst dazu dienten Ideale von nationaler Einheit, militärischer Stärke und beeindruckender territorialer Ausdehnung populär zu machen. Wenn wir heute noch nicht, die Probleme des 20. Jahrhunderts überwunden haben, kann das daran liegen, dass wir immer noch ein Geschichtsverständnis aus dem 19. mit uns herumtragen?

Speaker Bio

16:15 Uhr

Pause

16:45 Uhr

Panel: Anthroposophie und Waldorf

mit Sarah Grundner, Lea Roth, Oliver Rautenberg und Jacob König-Otto
Moderation: Bernd Harder

18:15 Uhr

Verabschiedung


20:00 Uhr

Abendveranstaltungen

Skeptisches Pubquiz

Pubquiz! Spaß garantiert – und keine Sorge: Es kommen nicht nur Fragen über Schwurbel und Pseudowissenschaften.
Also komm mit Team oder alleine, Hirn einschalten und mitraten – wir freuen uns auf euch!

Weiter Details folgen in Kürze!

Laughing Matter – Wissenschaft trifft Comedy

Seid ihr bereit für ein Experiment? Wir mixen hochaktuelle Wissenschaft mit absurder Impro-Comedy. Schaut zu, wie ein Team aus Berlins lustigsten Impro-Nerds und Wissenschafts-Fans aus dem echten Vortrag eine:r echten Wissenschaftler:in Quatsch und Witze destilliert.

Weitere Informationen in Kürze.


09:30 Uhr

Einlass

10:00

Begrüßung

10:05 Uhr

Block 3: Medien

Claudia Müller: Neues von der OCG

Speaker Bio

Aerri Moirai: Warum wir Symptome bekämpfen statt Systeme zu verstehen

Zwischen Schlagzeile und Wissenschaft: Wenn Symptome Medien dominieren und
Systeme unsichtbar bleiben
In vielen Debatten über biologische und klimawissenschaftliche Themen zeigt sich ein
wiederkehrendes Muster: Komplexe, systemische Zusammenhänge werden auf
einfache, emotional aufgeladene, aber medial gut verwertbare Einzelgeschichten
reduziert. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig konkrete Symptome oder Einzelfälle,
während die zugrunde liegenden Ursachen und Wechselwirkungen in den Hintergrund
treten.
Dieser Vortrag beleuchtet die Folgen dieser Vereinfachung für die öffentliche
Meinungsbildung. Er zeigt, wie verkürzte Darstellungen Missverständnisse und
Fehlinformationen begünstigen können und warum eine systemische Perspektive
notwendig ist, um komplexe Klima- und Umweltthemen angemessen zu verstehen und
einzuordnen.

Speaker Bio

Marcello V. Orlik: Fakten, Fakes und Emotionen 2.0

Fakten zählen – oder nicht?
In einer Welt der Informationsflut entscheiden immer weniger Argumente, sondern pure Emotionen. Fake News und deren Verbreiter:innen nutzen gezielt unsere Gefühle, um Desinformation viral zu pushen, attackieren mit voller Absicht Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Ein exzellentes Negativ-Beispiel erleben wir leider auch in den USA.
Warum glauben Menschen lieber Falschmeldungen als Wissenschaft oder belegbare Fakten? Ist niemand mehr vor Fakes sicher? Was verändert sich durch KI-Content. Gibt es Patentrezepte gegen Desinformation?
Welche Motive haben Desinformationsverbreiter, welche Methoden nutzen sie? Können wir immun gegen Fakes werden?
Die Arbeit der Faktenchecker ist eine Sache, aber was können wir alle als Team dagegen tun, dass mit Hilfe bewusster Desinformationen die FDGO, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die unabhängige Wissenschaft attackiert wird und von manchen gerne abgeschafft würde?
Die Uhr tickt.

Speaker Bio

Holm Hümmler: Rechte Esoterik nach den Querdenkern

Die Verbindungen zwischen Esoterik, Pseudomedizin, Verschwörungsideologien und Rechtsextremismus sind kein neues Phänomen – doch die Szene hat sich seit der Querdenkerbewegung grundlegend verändert. Während frühere Akteure an Bedeutung verloren oder sich ins Ausland abgesetzt haben, erreichen heute Influencer auf TikTok, Instagram und Telegram mit Wellness-, Gesundheits- und Lifestyle-Inhalten ein Millionenpublikum und transportieren dabei oft auch verschwörungsideologische oder extrem rechte Botschaften. Neue Protagonisten der Germanischen Neuen Medizin, KI-generierte Desinformation und neu entstandene Netzwerke zeigen, wie flexibel sich diese Milieus an gesellschaftliche Trends anpassen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen, beleuchtet zentrale Akteure und zeigt, welche alten Argumentationsmuster und ideologischen Verbindungen bis heute fortbestehen.

Speaker Bio

12:00 Uhr

Pause

14:00 Uhr

Block 4: Geschichte

Mirko Gutjahr: Wer hat an der Uhr gedreht? – Über fehlende Jahrhunderte, verschwiegene Weltreiche und die Sehnsucht nach der „wahren“ Geschichte

Gab es das Frühmittelalter wirklich? Wurden ganze Jahrhunderte der Geschichte einfach erfunden? Gab es das Römische Reich gar nicht? Und was verbirgt sich hinter rätselhaften Erzählungen über ein untergegangenes Weltreich namens „Tartaria“?
Im Internet kursieren seit Jahren spektakuläre Theorien über angeblich fehlende oder gefälschte Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte. Anhänger der sogenannten Phantomzeit-Hypothese behaupten, Kaiser, Päpste und Chronisten hätten gemeinsam mehrere Jahrhunderte erfunden. Andere sehen in alten Landkarten, Ruinen oder technischen Bauwerken Hinweise auf eine ausgelöschte Hochkultur, deren Existenz von der Wissenschaft vertuscht werde.
Der Vortrag nimmt diese alternativen Geschichtsdeutungen unter die Lupe, versucht zu klären, woher solche Ideen stammen und warum Verschwörungserzählungen über „verlorene Zeit“ und unterdrückte Geschichte gerade in unserer Gegenwart so erfolgreich sind.

Speaker Bio

Geesche Wilts: Warum man im Grunde genommen nichts über archäologische Zeiten weiß …

In der Nazizeit instrumentalisiert, vom IS in die Luft gesprengt, von Präastronautikern verdreht und von Verschwörungstheoretikern der Verheimlichung beschuldigt. Die Archäologie eignet sich als Projektionsfläche für Ideologien und Weltbilder, als Legitimation für eine angeblich richtige Lebensweise. Und wenn Befunde nicht ins eigene Narrativ passen, heißt es schnell:
„Die Archäologen verheimlichen uns ihr wahres Wissen!“
Doch archäologische Forschung hat reale methodische Grenzen – und diese zu kennen, hilft oft dabei, pseudowissenschaftliche Behauptungen zu entlarven. Der Vortrag bietet das argumentative Handwerkszeug für Diskussionen dieser Art, indem er an die Grenzen der Archäologie geht und zeigt, was man alles nicht erforschen kann. Es sind gerade diese Unsicherheiten, die häufig missverstanden oder bewusst ausgenutzt werden.
Thematisiert wird dabei auch, wie für wahr gehaltene Annahmen und Vorurteile den Blick auf die Menschheitsgeschichte verstellen. Und nicht zuletzt ist es auch immer wieder der Forschungsstand, der die Menschheitsgeschichte neu schreibt.

Speaker Bio

Tabea Henn: Nicht-binäre und trans Menschen in der Vergangenheit

Die geschlechtliche Vielfalt ist so alt, wie die Menschheit selbst und die Grenzen zwischen Mann und Frau waren in der Vergangenheit nicht so starr, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Neueste Forschungen der Geschichtswissenschaft zeigen, wie divers die Vergangenheit in dieser Hinsicht war.
Nicht-binär oder trans sind jedoch (relativ) neue Begriffe. In der Vergangenheit konnten und haben die Menschen so ihr Geschlecht nicht beschreiben können.

Wie sah also das Leben von nicht-binären und trans Menschen in diesen Zeiten aus?
Welche Gedanken hatten diese Personen über sich selbst und wie wurden sie von anderen wahrgenommen und behandelt?
Wie kann man die Geschlechtsidentitäten von Menschen untersuchen, die seit Jahrhunderten tot sind und wann geht man in der Analyse eventuell zu weit?

Speaker Bio

15:30 Uhr

Verabschiedung

Änderungen vorbehalten.